Warum WordPress von Haus aus nicht mehrsprachig ist


Sie können eine WordPress Website in jeder beliebigen Sprache einrichten – aber von Haus aus nicht in mehreren gleichzeitig.

Das ist erst einmal verwunderlich, da WordPress sicher eine der größten internationalen Open Source Communities darstellt und der Bedarf für Mehrsprachigkeit sehr hoch ist.

Grundsätzlich kann man sagen: Die Core-Entwickler wissen, dass es einen großen Wunsch von Seiten der Community nach dieser Funktion gibt. Daher steht Mehrsprachigkeit auch auf der Agenda, mit einem Start der Umsetzung ist aber erst in ein paar Jahren zu rechnen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, lassen sich aber aus der Philosopie des WordPress Projekts ableiten.

Out of the Box

WordPress ist in 5 Minuten eingerichtet – Das soll so bleiben!

Mehrsprachigkeit würde die Komplexität merklich erhöhen, nicht nur für den Nutzer, sondern auch für alle Entwickler. Wäre Mehrsprachigkeit Teil der Core, müssten wohl ein Großteil der verfügbaren Plugins und Themes angepasst werden.

WordPress soll einfach bleiben, zusätzliche Funktionen innerhalb der Core sollten daher die Installation, Wartung oder Nutzung einer WordPress-Website nicht schwieriger, sondern lieber leichter machen. Komplexität aufbauen ist leicht, nachträglich wieder reduzieren schwer.

Das Konzept hinter einer Mehrsprachigkeit ist also hier schon wichtiger, als die spätere Umsetzung.

Design for the Majority

Mehrsprachigkeit muss technisch simpel sein

Es fällt auf, dass Multi-Lang-Plugins entweder meist unzureichend für ein Projekt sind oder die Komplexität stark erhöhen.

Bei Plugins ist das völlig in Ordnung, weil man einfach das auswählt, das ideal für das Projekt ist oder ein individuelles entwickelt.

Mehrsprachigkeit als Teil der Core müsste das Kunststück gelingen, die Komplexität möglichst nicht zu erhöhen, Basisfunktionalität abzubilden, die aber durch Standards leicht über Plugins erweiterbar wäre – und dem Nutzer das Gefühl zu geben, dass ihm all diese Probleme egal sein können.

Decisions, not Options

Entscheidungen für Millionen Websites

WordPress sucht nicht nach der nächstbesten Lösung – ein Feature in der WordPress Core muss nicht nur für tausende, sondern Millionen Websites nützlich sein.

Traditionell werden neue Funktionen in WordPress monatelang – teils sogar jahrelang – in öffentlichen Diskussionen besprochen, mehrere Konzepte werden von Freiwilligen erstellt und von Unabhängigen geprüft. Das gilt sogar schon für Bugs. Das Ziel: Eine Veränderung in der Core muss nachhaltig sein.

Die Umsetzung eines nicht zu Ende gedachten Konzepts ist gefährlicher für das Projekt, als sich für die Suche nach der besten Lösung mehr Zeit zu nehmen.

Clean, Lean, and Mean

Warum Usability wichtiger ist als Mehrsprachigkeit

Viele Websites kommen ohne Mehrsprachigkeit in der Core aus, aber jede profitiert von einem guten Editor – und genau hier liegt derzeit der Fokus des Core-Teams.

Der Block Editor (Gutenberg) löst eines der größten Probleme in WordPress: ein Standard für die Gestaltung von Inhalten und später auch für ganze Websites (Full Site Editing). Die Möglichkeiten von Gutenberg sind tatsächlich so weitreichend, dass es sich hierbei um einen echten Game Changer in der Websiteerstellung handelt.

Nach dem 80%-Prinzip von WordPress muss eine neue Funktion für mindestens 80% der WordPress Nutzer sinnvoll sein, sonst sollte es kein Teil der Core sein – der Block Editor hat die Mehrsprachigkeit schlicht ausgestochen.

In den nächsten Jahren werden neue Features also vor allem im Zusammenhang mit Gutenberg entstehen, so dass kaum Ressourcen für die Entwicklung einer Mehrsprachigkeit in der Core übrig bleiben.

Ausblick

Mehrsprachigkeit in der Core kommt – irgendwann.

Es gibt für WordPress Agenturen und Entwickler wohl keine wichtigere Seite, als die WordPress Roadmap. Sie ist vergleichsweise kurz und allgemein gehalten, die dort aufgeführten Punkte führen aber meist zu einer disruptiven Änderung im WordPress Ökosystem.

Durch die Einführung von Gutenberg wurde das Geschäftsmodell aller Pagebuilder, wie Elementor, Divi oder Avada schlagartig in Frage gestellt. International erfolgreiche Firmen und deren Technologie kämpfen um eine neue Perspektive, weil die WordPress Core mit dem Block Editor perspektivisch eine technologisch überlegene Lösung bietet – kostenlos, für alle.

WordPress Roadmap

Die native Unterstützung für Mehrsprachigkeit ist bereits in der langfristigen Roadmap von WordPress eingeplant:

1.

Einfache Bearbeitung

Bereits in WordPress enthalten,
mit kontinuierlichen Verbesserungen.

2.

Everything is a Block

Volle Frontendbearbeitung.
Einführen von Block-Pattern.
Einführen von Block-Listenansichten.
Vollständig blockbasierte Themes.

3.

Kollaboration

Auf intuitive Weise Inhalte gemeinsam verfassen – ähnlich wie bei Google Docs usw.

4.

Mehrsprachigkeit

Einführung der nativen Unterstützung für mehrere Sprachen in WordPress, ohne die Notwendigkeit für Plugins.


Fazit und Empfehlung

Zusammengefasst, warum WordPress derzeit von Haus aus noch nicht Multi Lang fähig ist:

  • Es gibt noch kein finales Konzept.
  • Der Block-Editor (Gutenberg) war dringender und ist wichtiger.
  • Mehrsprachigkeit muss den Standard des Block-Editors sinnvoll innerhalb der WordPress Core ergänzen.
  • Der Status Quo wird zuverlässig über Plugins abgedeckt, als Bestandteil der Core muss es einen Mehrwert für 80% aller Nutzer bieten.

Wenn Sie heute eine Website erstellen (lassen), geben die nächsten Artikel dieser Reihe eine Empfehlung für heute und die nächste Zeit. Langfristig wird WordPress Mehrsprachigkeit als Teil der Core implementieren – und womöglich manches Multi Lang Plugin obsolet machen.

Mit etwas Glück haben Sie sich für eine Lösung entschieden, die zeitnah die Kompatibilität mit den neuen WordPress Standards herstellt, obsolete Eigenlösungen zum neuen Standard migrieren lässt und sinnvolle Ergänzungen bereitstellt.

Das WordPress-Multi-Lang-Plugin, dem wir dieses Kunststück zutrauen, stellen wir im dritten Artikel dieser Reihe vor. Doch vorher geben wir im zweiten Teil einen Überblick über eine Auswahl an verschiedenen Konzepten und Lösungen, die der Markt bereitstellt.

Artikelserie: WordPress Multi Lang

Diese Artikelserie gibt einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten, Vor- und Nachteile sowie einen Ausblick auf die Zukunft.

Sie können eine WordPress Website in jeder beliebigen Sprache einrichten – aber von Haus aus nicht in mehreren gleichzeitig. Hier erfahren Sie warum.

Über den Autor

Matthias Bathke ist Geschäftsführer der straightvisions GmbH. Als DSGVO-Experte und PageSpeed-Evangelist brennt er dafür stabile und effiziente Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.

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